Informationsveranstaltung zum Projekt „Anonyme Spurensicherung nach sexueller oder häuslicher Gewalt mit iGOBSIS“

Auf Einladung von Landrat Stephan Pusch und der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Kreisgebiet Heinsberg fand jetzt im Kreishaus Heinsberg eine Informationsveranstaltung zum Thema „Anonyme Spurensicherung mit iGOBSIS“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, Kooperationskliniken im Kreis Heinsberg für die Umsetzung des Projektes zur anonymen Spurensicherung nach sexualisierter und häuslicher Gewalt zu gewinnen.

Hintergrund ist die weiterhin hohe Zahl von Betroffenen sexualisierter und häuslicher Gewalt: Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2024 bundesweit 170.881 Fälle von Gewalt in Partnerschaften registriert. Studien zeigen zudem, dass jede dritte Frau in Europa nach ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt hat. Der Kreis Heinsberg bildet dahingehend keine Ausnahme: Im Jahr 2025 kam es im Kreis Heinsberg zu 403 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Damit ist im Vergleich zu 2024 eine Zunahme um 71 Straftaten festzustellen (plus 21,4 Prozent). Die Aufklärungsquote betrug 83,37 Prozent, insgesamt wurden 338 Straftaten aufgeklärt.
Die Folgen für die Betroffenen sind häufig gravierend und langfristig.

Mit dem Projekt „Spurensicherung mit iGOBSIS“ wurde in Nordrhein-Westfalen ein wichtiges Instrument geschaffen, das Betroffenen ermöglicht, Spuren von Gewalt anonym und gerichtsfest sichern und dokumentieren zu lassen – unabhängig davon, ob unmittelbar Anzeige erstattet wird. Die Kosten der anonymen Spurensicherung werden von den gesetzlichen und inzwischen auch von den privaten Krankenkassen übernommen.

Referentinnen der Veranstaltung waren Franziska Uhle, M.Sc. Psychologie und wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie Christine McTaggart, Fachärztin für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf. Sie stellten das Projekt ausführlich vor und erläuterten die Bedeutung einer niedrigschwelligen und professionellen Versorgung für Betroffene von Gewalt.

An der Veranstaltung nahmen neben den Leitungen der drei Krankenhäuser im Kreis Heinsberg auch Vertreterinnen und Vertreter der Frauenberatungsstelle SKFM sowie des Jugend- und Gesundheitsamtes des Kreises Heinsberg teil.

Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und breite Zustimmung. Alle Beteiligten bekräftigten den Wunsch, das Projekt „Spurensicherung mit iGOBSIS“ perspektivisch auch im Kreis Heinsberg umzusetzen und die hierfür notwendigen Kooperationen aufzubauen. Die weiteren Gespräche und Abstimmungen hierzu stehen noch aus, sodass eine endgültige Umsetzung derzeit noch nicht feststeht. Ziel bleibt es, Betroffenen von sexualisierter und häuslicher Gewalt künftig möglichst auch im Kreis Heinsberg ein wohnortnahes Angebot zur anonymen Spurensicherung zu ermöglichen.

Alexandra Ophoven, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Heinsberg, betonte die Bedeutung des Vorhabens: „Für Betroffene von Gewalt ist es entscheidend, schnell, sensibel und unbürokratisch Unterstützung zu erhalten. Die anonyme Spurensicherung kann ein wichtiger erster Schritt sein und Betroffenen Zeit geben, weitere Entscheidungen in Ruhe zu treffen. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, dieses Angebot auch im Kreis Heinsberg zu etablieren. Es darf nicht sein, dass betroffene Frauen im Kreis Heinsberg dafür nach Düsseldorf, Mönchengladbach oder Aachen fahren müssen.“

Die Veranstalterinnen und Veranstalter bewerteten den Austausch als ersten wichtigen Schritt hin zu einer besseren Unterstützung und Versorgung von Betroffenen sexualisierter und häuslicher Gewalt im Kreisgebiet und stellten zuversichtlich fest, dass das Interesse geweckt und erste Gesprächskontakte hergestellt wurden.

Weitere Informationen zu iGOBSIS finden sich unter: https://gobsis.de.

Franziska Uhle, M.Sc. Psychologie und wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Christine McTaggart, Fachärztin für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf mit Alexandra Ophoven, der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Heinsberg.
Franziska Uhle, M.Sc. Psychologie und wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Christine McTaggart, Fachärztin für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf mit Alexandra Ophoven, der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Heinsberg.